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Das Männchen vom Schlossgarten

Details

Maennchen vom SchlossgartenDieses einmalige Männchen wurde 1898 in die Scheunenwandnische, Mühlbacher Str. 3, eingestellt und 2011 zur Restaurierung und zur anschließenden Präsentation herunter geholt.

Seine Entdeckung, seine Historie und sein Erscheinungsbild wurden von Manfred Himmel erforscht, dokumentiert und beschrieben.


Durch einen Hinweis im Mai 2010 von Emil Lüdecke auf das Männchen in der Scheunenwand-Nische, Mühlbacher Straße 3 wurde das Interesse von Manfred Himmel an der Sandsteinfigur an diesem außergewöhnlichen Standort geweckt. Anhaltspunkte über dessen Herkunft gab es keine.
Emil Lüdecke, Albrecht Weigert und einige andere Sulzfelder kannten das Männchen und seinen Standplatz schon seit längerer Zeit, haben aber über dessen historische Vergangenheit keine Anhaltspunkte entdecken können.

Es war nur bekannt, dass diese Scheune, im Eigentum von Rolf Treutle, mitten im ehemaligen östlichen Schlossgarten steht. Dieser gehörte zum unteren Schloss der Göler von Ravensburg auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße. Der Schlossgarten umfasste das Areal zwischen der Hauptstraße im Westen, der Königstraße (früher Geiststraße im Norden und Osten) und der Mühlbacher Straße (früher Hirschstraße) im Süden.

 

FriedrichsgartenHinter diesem sogenannten „Friedrichs-Garten“, heute Kaufhaus Westermann, war der Schlossgarten der Göler von Ravensburg, wo das Männchen bis 1880 in einer offenen Kapelle stand.

 

Aus den Akten geht hervor, dass 1630 auf dieses Schlossgartenareal das sogenannte alte Freihaus von Johann Bernhard I. Göler von Ravensburg, 1608 – 1652 (30), gebaut wurde. Interessant ist dabei, dass die Bewohner eines Freihauses keine Steuern bezahlen mussten. Des weiteren ist bekannt, dass Johann Bernhard II. Göler von Ravensburg, 1632 – 1694 (31), im Jahre 1660 den ganzen Schlossgarten mit Mauern umgab, Reste davon kann man noch heute hinter dem Kaufhaus „Westermann“ besichtigen.
In dieser Zeit war es bei den Adligen Mode, Statuen in ihren Gärten aufzustellen, welche in ihrer Mimik den Betrachter emotional berühren,
Das Ehepaar Johann Bernhard II. und Veronika, geborene von Sternenfels hatte 10 Kinder. Davon starben fünf in jungen Jahren. Als der 5. Sohn „Ravan“ am 02.02.1679 mit 9 Jahren und 3 Monaten starb, könnte dieser er als Ebenbild für das Männchen gedient haben, das von einem sehr begabten, aber unbekannten Steinbildhauer als betende Statue angefertigt und dann im Schlossgarten aufgestellt worden ist.

 

 

Auf dem Ortsplan-Ausschnitt von 1820, wo das westlich der Hauptstraße  gelegene untere Schloss und der östliche Schlossgarten vorne mit barockartigen Rabattenfeldern skizziert sind, kann man an der Grenzlinie zum heutigen Areal der Bäckerei Finck ein kleines Gebäude erkennen. Allen schriftlichen Hinweisen zur Folge muss dies die mehrmals erwähnte offene Kapelle gewesen sein.
Diese offene Kapelle kann nur vom Besitzer des alten Freihauses Eberhard Friedrich II. Göler von Ravensburg, 1704 – 1782 (48), erbaut worden sein. Weil seine Mutter eine geborene Trapp von Trappensee aus Heilbronn als Witwe allein im alten Freihaus wohnte und auch sie vier Kinder in jungen Jahren verloren hatte, stellte Eberhard Friedrich II. vermutlich zu ihrem Trost das andächtig betende Männchen in diese Kapelle. Im Zuge der Neugestaltung des Schlossgartens wurde 1780 das zerfallene alte Freihaus von Johann Michael Göler von Ravensburg, 1728 – 1815 (49), abgetragen, da man den Wohnsitz in den westlichen Hauptteil des neu erbauten unteren Schlosses und in das neue Freihaus verlegte. Beim Abriss des alten Freihauses wurde die offene Kapelle mit dem Männchen stehen gelassen, sonst wäre sie in dem alten Ortsplan von 1820 nicht mehr eingezeichnet.

Ortsplan 1820

 

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