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Unteres Schloss

Details

 

(10) Die Barockgartenkäufer, deren Besitzfolger und zwei Portalgesichter

Bevor Ludwig III jun. Göler von Ravensburg 1833-1894 (91) mit dem Verkauf des Barockgartens beginnen konnte, musste er das Original-Portal von der zentralen Mitte an der Hauptstraße abbauen. Denn sonst hätte die Aufteilung, wie sie noch heute in etwa ist, nicht funktioniert. Bei diesem Abbau müssen die beiden Kegel-Kapitelle separat aufbewahrt worden sein. Beim neuen Standort, ganz links, an der Königstraße war nämlich bis 1955 ein Segmentbogen-Oberteil aufgesetzt.
Dieses Oberteil muss bei Bauarbeiten 1955 abgebrochen  sein. Danach wurden wieder die Original Kugel-Kapitelle auf die Pfosten des jetzt halb so breiten Eingangsportals aufgesetzt.
Jetzt wurde der Barockgarten aufgeteilt. Die linke Hälfte kaufte 1890 Nikolaus Friederich aus Mühlbach (1857-1932). Auch kaufte er das marode sogenannte „neue Freihaus“ auf der anderen Seite der Hauptstraße, worüber später mehr berichtet wird. Nikolaus Friederich hat den halben Barockgarten leicht verändert und baute in das hintere Drittel einen Pavillon mit Brunnen. Wahrscheinlich hat er die halb zerfallene Kapelle abgetragen, wusste aber von dem Männchen, welches eventuell darin gestanden hat, nichts, denn es muss vorher, möglicherweise von Ludwig Krüger oder jemand anderem, sichergestellt worden sein.
Der sogenannte Friederichsgarten wurde von dem Kaufmann Otto Westermann 1976, zusammen mit dem Kaufhaus Friederich, auf der anderen Seite, gekauft. Otto Westermann hat dann sein neues Kaufhaus, wie es heute noch auf dem halben Barockgarten steht, erbaut.
Das östliche Grundstück, Mühlbacher Straße 3, neben dem Anwesen Finck, kaufte 1895 Christian Völkle (7797/6). Sein Vater Johann Völkle war mit Johanna, geb. Lehmannn, verheiratet. Diese Johanna Lehmann war eine Tochter von Christian Lehmann (4625), welcher der Großvater vom späteren Besitzer Friedrich Lehmann, genannt „Lötfritz“, war. Nachdem Wilhelm Völkle das Haus im sogenannten Gründerstil erbaut hatte, ließ er auf den Haustürsturz seine Initialen in Sütterlin Großbuchstaben W.V. und das Erbauungsjahr 1897 einmeißeln.
Friedrich Lehmann, genannt muss dieses Haus 1930 von seinem Neffen mütterlicherseits, Wilhelm Völkle übernommen haben.

Friedrich Lehmann hat Ingeborg Schenk aus Heidelberg adoptiert. Diese Ingeborg erbte dann das Haus Mühlbache Straße 3 und heiratete 1953 den Blechnermeister Walter Treutle aus Zaisenhausen. Heute gehört dieses Anwesen dem 3. Sohn von Ingeborg und Walter Treutle, Rolf Treutle.
Das mittlere Grundstück, Mühlbacher Straße 1, kaufte 1896 Ludwig Krüger (4339). Sein Vater war Johann Krüger, welcher das Stammhaus Finck 1882 erbaute. Ludwig Krüger war mit Maria, geb. Hagenbucher, verheiratet. Ihre erste Tochter war Frieda, welche 1927 den Bäckermeister Otto Finck heiratete. Die letzte Tochter war Berta, welche 1931 den Metzgermeister Otto Förster heiratete. Deren erster Sohn Kurt ist mit Margarethe, geb. Pfefferle, verheiratet.
Nach dem Ludwig Krüger sein vorderes Wohnhaus, Mühlbacher Straße 1, erbaut hatte, ließ er auf dem Türsturz seine Initialen in voller Länge, wie folgt in Großbuchstaben, erhaben, einmeißeln: 18.LUDWIG KRÜGER.97.
Das heißt, Wilhelm Völkle und Ludwig Krüger erbauten im selben Jahr 1897 ihre Wohnhäuser. Wenn man diese verwandtschaftlichen Zusammenhänge betrachtet, kommt man zu dem Schluss, dass es sich hier um eine gemeinsame Sippe, nämlich Völkle – Lehmann – Treutle – Finck gehandelt haben muss.
Das folgend beschriebene Ereignis ist nur eine Vermutung, welches sich eventuell so abgespielt haben könnte:
Beim Einebnen des Baugrundstücks für eine Scheune hat Ludwig Krüger ein kniend betendes Sandsteinmännchen gefunden. Zuerst wusste er nicht, was er damit anfangen solle. Er fragte den Verkäufer Ludwig jun. Göler von Ravensburg, welcher glaubte, sich als Kind noch erinnern zu können, dieses Männchen in der Kapelle seines Vaters gesehen zu haben. Er überließ es Ludwig Krüger. Ein Jahr später, 1898 beim Richtfest der Scheune, hat er dann das Männchen in die Giebelwand-Nische hineingestellt, aus welcher wir es jetzt, 114 Jahre später zur Restaurierung herausholten.


Der Zahnarzt Johannes Maulbetsch hat 1938 das Anwesen Ludwig Krüger von dessen Erben gekauft. Die Frau von Johannes Maulbetsch war Luise, geb. Pfefferle. Sie verkaufte als Witwe die Scheune mit dem Männchen 1958 an Friedrich Lehmann. Das Ehepaar Maulbetsch hatte keine Kinder, deshalb erbte der Neffe von Luise Maulbetsch, Albrecht Weigert, das Haus Mühlbacher Straße 1.
Das Eckgrundstück vom Barockgarten Hauptstraße/Mühlbacher Straße kaufte 1898 Andreas Schad (6460). Er war von Beruf Kappenmacher, deshalb nannte man sein Eckhaus am Marktplatz das „Kappenmacher Haus“
Dieses Textilhaus, Hauptstraße 62, hatte seinen Geschäftseingang übers Eck, was damals in der Gründerstil-Zeit eine Besonderheit war. Auch das Dach hatte übers Eck passend ein abgesetztes Walmdach. Dieses Ddminierende Haus war 70 Jahre lang marktplatzprägend, es wurde 1969 abgerissen. Heute befindet sich dort ein öffentlicher Parkplatz.
Das Grundstück Hauptstraße 64 direkt rechts neben dem Kaufhaus Westermann kaufte 1898 der Steinhauermeister Friedrich Diefenbacher und baute das heute noch stehende Gründerstil-Haus direkt an das Haus vom Kappenmacher. Sein Sohn Oskar Diefenbacher erbaute links daneben eine Garage für seinen Bus. Heute gehört das Haus seiner Enkelin Ingrid Swoboda, geb. Diefenbacher, welche mit ihrer Tochter das Haus bewohnt.
Viele befragte Sulzfelder 70plus Bürger erinnerten sich noch an eine Segmentbogen geformte Sandsteinplatte, auf dem Portal zum Friederichsgarten, welche etwa bis 1955, wie auf der Skizze, dargestellt ausgesehen hat.
An das Kugelportal, welches bis 1980 zu sehen war, können sich noch fast alle befragten 40plus Bürger, laut dem Foto, erinnern.

 

(10a) Die Lageplan – Skizze der Barockgarten-Käufer und die zwei Portalgesichter vom Friederichsgarten

 

 

 

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