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Sandsteine, Steinbrüche und Steinhauer

Details

 

Römische Steinkultur im Kraichgau

Etwa 100 v. Chr. stießen germanische Stämme, vorwiegend die Keltert, vom Norden kommend in den
Kraichgau vor. Diese führten nun eine 200-jährige Auseinandersetzung mit den Römern, welche nach
der Eroberung und Unterweffung Galliens in unser germanisch besiedeltes Gebiet vordrangen. Sie holten
sich aber immer wieder blutige Nasen. Unser Gebiet, das schließlich um 100 n.chr, zum römischen
Dekumatenland gehörte, fiel somit in die Siedlungspolitik des römischen Westreiches. Überall nahe an
Bachläufen wurden jetzt Bauernhöfe, so genannte Villa Rusticas, angelegt, welche hauptsächlich die
Versorgung der römischen Legionen sichern sollten. Es gab im Kraichgau ausgedehnte Ansiedlungen
und Kastelle, zum Beispiel in Lauffen, Bad Wimpfen, Güglingen, Pforzheim, Durlach und vor allem in Stetffeld.
Wie sich feststellen ließ, haben die Römer auch ganz nah bei uns zwei Villa Rusticas erbaut. Eine im Gewann
Längenfe[d nahe Mühlbach und eine andere am Hesselsee an der Grenze zu Zaisenhausen. Für den Bau dieser
Villa Rustica entnahmen sie Sandsteine im großen Stil aus den Sulzfelder Steinbrüchen. Den enormen Abraum
mitsamt den anfallenden kleineren Bruchstücken verwendeten sie zur Befestigung des ausgedehnten Kraichgauer
Straßennetzes. Innerhalb des römischen Grabungsfeldes von Stettfeld wurden u. a. auch sechs quadratische
Standsteinkisten von 70x70x60 cm Größe entdeckt, die allerdings nicht als Blumenträge dienten, sondern
wahrscheinlich als Kühlschränke verwendet wurden. Sie wurden mit 10 cm dicken Verschlussplatten
gefunden, worin eine Weinamphore lag.

Diese Kühlschrankkisten weisen sowohl Farbe als auch Beschaffenheit auf, wie sie nur im Sulzfelder
Jägersitz-Steinbruch zu finden sind. Folglich dürfen wie davon ausgehen, dass diese Kisten hier
gebrochen wurden. Feststellbar an ihrer Bearbeitung ist, dass selbige von außen mit einem Spitzeisen
bearbeitet sind und die Innenseiten mit einem Hundezahnmeißel ausgearbeitet wurden. Abschließend
wurden die hohen Stellen mit einem Schlageisen abgeschlagen Ob diese~ Endbearbeitung schon in Sulzfeld
erfolgte oder um Transportschäden zu vermeiden, näher am Fundort, kann hier nicht beantwortet werden.
Wahrscheinlich nahmen diese Sulzfelder Sandsteine über die jetzt von Karl Dettling nachgewiesenen
Römerwege per Ochsengespann wie folgt ihren Verlauf:

Vom Steinbruch ausgehend über den Richt- und Plattenweg entlang des Binsbachweges beim heutigen
Mühlbach zum Hutberg. Von dort führte der Transport vorbei am römischen Meilenstein über die Eppinger
Landstraße zur Villa Rustica am Längenfeld. Auf Sulzfelder Gemarkung rollte der Transport entlang des
Pfahlweges geradewegs zum Ölberg, die Bundesstraße überquerend, auf den Lipplesberg zum Forlenweg.
Von da an über Bahnbrücken, Menzingen, Neuenbürg nach Zeutern und über den Kallenberg zur Stettfelder
Römersiedlung am Rosenberg. Im Sulzfelder Ortsbereich sind keine römischen Siedlungsspuren nachgewiesen.
Indes wurden im Gewann Raidlich, heute Weinberge in Richtung Zaisenhausen, welche gefunden. In der
näheren Umgebung wurden außer dem schon erwähnten Längenfeld und Hesselsee bei Eppingen, Flehingen,
Oberderdingen, Ochsenburg und Sternenfels weitere Mauerreste, Gebäudeteile und Kultstätten aus Sulzfelder
Sandstein nachgewiesen. Da der Sulzfelder Sandstein eine leichte Bearbeitung und lange Lebensdauer versprach,
wurden daraus von den Römern und deren Gefolge auch viele Götter- und Heiligenstatuen hergestellt.

 

RSS Icon Kommentare (2)

  • Gottfried Eigenmann, CH4106 THERWIL, Schweiz
    Auf der Suche nach Info zu Sulzfelder Steinbrüchen und Steinmetzen um das Jahr 1900 (+-) bin ich auf Ihren Artikel gestossen. Mein Vater, der in Sulzfeld aufwuchs, arbeitete zu dieser Zeit in einem dieser Steinbrüche und wanderte um 1900 - 1913 in die Schweiz aus. Es gibt dürftige Hinweise, dass er auch in Basel am Münster arbeitete. Gibt es weitere Hinweise, die das in mehr Detail beleuchten würden. Ich habe vor einigen Jahren eine Zusammenstellung der EIGENMANN Familien im Kraichgau verfasst. Eine kurze Antwort zu meiner Frage würde mich sehr freuen. Freundliche Grüsse - Godi Eigenmann, Therwil, Schweiz
  • Nikolai Wandruszka
    Meine beiden Urgroßväter hatten hiermit zu tun: Christian Pfefferle (1885-1932) war Steinbrecher, ere wohnte anfangs "bei Straub im 2. Stock neben dem Gasthof Engel in der Hauptstraße zur Miete. Sein anfänglicher Besitz (1891) bestand in einem Acker und einer Ziege. Am 7.4.1897 erwirbt er von Wilhelm Wolfmüller das Grundstück nr.340 (Hofraite im Ortsetter von 7 a 74 qm) und den 2. Stock des Wohnhauses nr.152 mit gewölbtem Keller unter dem Balkenkeller, samt Scheuer mit Stall sowie die zwei unteren Schweineställe in der Neuhöferstraße für 2800 Mark. Mit dem Kauf von zwei Äckern 1898 erfolgte die Erwerbung der ersten Kuh im selben Jahr. Am 9.1.1903 Verpflichtung zum Gemeinderat. Es folgten weitere Landerwerbungen und schließlich 1911 sein erstes Pferd. Im Februar 1920 konnte er schließlich den unteren Stock des Hauses in der Neuhöferstraße erwerben, wo seine Mutter dann lebte. Er hatte sich vom Steinbrecher zum besitzenden Landwirt hochgearbeitet. 6.6.1926 Teilnahme am 50jährigen Stiftungsfest des Militärvereins Sulzfeld". Der andere Urgroßvater Jakob Mehl (1857-1934), der "Brettemer Mehl" war Arbeiter am Tunnelbau (1870er Jahre), bevor er 11 Jahre als Kutscher und Hausdiener im Hotel Krone Post in Bretten arbeitete (Quelle:"Alt und lebenssatt" - Ahnenliste Mehl/Pfefferle (7.4.2019))

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