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Unteres Schloss

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Vorwort

Das vergessene „untere Schloss“ der Göler von Ravensburg aus seinem „Dornröschenschlaf“ zu entreißen war, trotz meiner Kenntnis der Sulzfelder Geschichte, eine diffizile Arbeit. Die größte Herausforderung lag darin, die nicht mehr vorhandenen aber bekannten Gebäude zu lokalisieren und deren ursprünglichen Verwendungszweck zuzuordnen. Die Göler von Ravensburg, denen das „untere Schloss“ seit dem 17. Jahrhundert gehörte, haben bekanntlich während ihrer Sulzfelder Herrschaftszeit immer irgendwo was abgerissen und Teile hieraus an anderer Stelle wieder verwendet. Aus diesen Gründen kamen in ihren Gebäuden und Anlagen immer nur einfache und andeutungsweisende Stilrichtungen zu Stande. Die ersten Bauten des „unteren Schlosses“ entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts in der Frühbarockzeit. Die Errichtung erfolgte fast immer mit geringen Geldmitteln und in Fronarbeit. Trotzdem beherrschte das „untere  Schloss“ über 300 Jahre lang das Gebiet zwischen Haupt- und Königstraße. Diese Zeitspanne und die Zeit danach werde ich in diesem Forschungsbericht beleuchten. Vor allem möchte ich damit erreichen, dass vielleicht das Wissen der heute schon älteren Mitbürger  nicht verloren gehen wird. Denn einige 60 plus Sulzfelder können sich noch an den Schloss – Nachfolgebau welcher das Gasthaus Ochsen war, und an den Friederichsgarten mit seinem Gölerschen Portal erinnern. Dass die Göler 800 Jahre lang Sulzfeld beherrschten ist eine Tatsache, aber deshalb sollte man ihre, nicht mehr vorhandenen, Bauten und Gärten, wie das „untere Schloss“, nicht einfach in einer ablehnenden Denkweise vergessen.
Der Männchen-Fund vom 16. Mai 2011, welches wahrscheinlich vom östlichen Areal des „unteren Schlosses“ stammt, gab mir den Anlass zur Erforschung des „unteren Schlosses“. Da in den Veröffentlichungen der Göler fast überhaupt nichts über das „untere Schloss“ zu finden ist, musste ich mich anfangs mit den Informationen, welche mir meine Großmutter vor über 60 Jahren mitteilte, begnügen. Auch die Geschichtsbücher haben uns nichts über das „untere Schloss“ vermittelt.
Die wichtigsten und verwertbarsten Informationen bekam ich vom Bundesverdienstkreuzträger Wilfried Weigert. Weil die Urgroßmutter von Wilfried Weigert, Lina Weigert, eine geborene Bosecker war, deren Vorfahren das „untere Schloss“ von den Gölern von Ravensburg gekauft haben, liegt es auch in seinem Interesse das „untere Schloss“ endlich aus seinem Dornröschenschlaf zu entreißen. Über diese Zusammenhänge und auch über den Großonkel von Wilfried Weigert, Otto Weigert der das „untere Schloss“ vom Deckblatt zeichnete, wird im Weiteren noch näher eingegangen. Weitere Informationen bekam ich vom langjährigen Vorsitzenden der Sulzfelder Heimatfreunde, Emil Lüdecke. Die Verwandtschaftsverhältnisse der Bewohner vom Ochsen hat mir Frau Gertrud Guggolz mit Freude und detailliertem Wissen vermittelt. Der Grundbuchbeamte Fritz Gegenheimer übergab mir die Lagepläne und die Genealogie der Göler, woraus ich die meisten Informationen entnehmen konnte.

Allerdings wurden die Erbauer und die Folgebesitzer der Gebäude meist nur in Zusatzerklärungen gefunden. Deshalb mussten immer wieder die Namen und Daten in mühevoller Kleinarbeit zusammengeführt werden,  bis dann endlich fundierte Tatsachen über die jeweiligen Objekte veröffentlicht werden konnten.
Und nun stelle ich das „untere Schloss“ in Kurzform vor:
Die Grundlage für das „untere Schloss“ wurde 1630 mit dem sogenannten „alten Freihaus“ im Barockgarten auf der rechten Seite vom Marktplatz aus gesehen, gelegt. Das eigentliche Schloss mit seinen Ökonomiegebäuden und dem Ochsen stand auf der linken, westlichen Seite der Hauptstraße, wo auch das „neue Freihaus" auf dem Platz vom späteren Kaufhaus Friederich (Westermann / heute Herbich-Café), integriert war. Das „Wolfsche Haus“ war das erste Gölergebäude westlich vom Marktplatz. Das gesamte „untere Schloss“ – Areal gehörte den Göler von Ravensburg aus der Fritzschen Linie. Zeitweise wurde es daher „Fritsches Schloss“ genannt. Grundsätzlich wurden das östliche und westliche Schloss-Areal in den Gemeindeakten und bei den Gölern selbst in seiner Gesamtheit immer als das „untere Schloss“ gekennzeichnet.
Bei meinen Nachforschungen musste ich eine erschreckende Tatsache feststellen: Die meisten Sulzfelder Bürger wissen nicht, dass es ein „unteres Schloss“ gegeben hat. Den Neubürgern kann man diese Unwissenheit verzeihen, aber warum wissen 95% der Altbürger auch nichts vom „unteren Schloss“? Was man aus folgenden Gründen auch verzeihen muss: Die Vorfahren der Sulzfelder Altbürger mussten den Gölern den zehnten Teil aller erwirtschafteten Produkte abliefern, auch mussten sie Fronarbeit, die mit der Zeit mehr und mehr erhöht wurde, erbringen. Dies nutzten die Göler bei säumigen Schuldnern bis zur völligen Enteignung aus. Diese Unmenschlichkeiten wurden sogar vom Kraichgauer Ritterrat gebilligt. Vor allem aber muss die unnachgiebige Haltung des Karl Göler von Ravensburg 1801-1868 (170) genannt werden, welcher die verurteilten Sulzfelder, die sich im März 1848 für Freiheit, Demokratie und die Abschaffung der Fronarbeit einsetzten, nicht begnadigte.  Auch von den Privilegien der Bewohner der Freihäuser, keine Steuern zahlen zu müssen, war den Sulzfeldern bestimmt bekannt. All diese Vorschriften, Privilegien und Unnachgiebigkeiten seitens der Göler verursachten bei den Bürgern eine negative Denkweise gegenüber den Gölern. Folglich wurde alles Gölerische bekämpft und, wenn möglich, zerstört. Diese negative Denkweise ist heute noch bei vielen Altbürgern vorhanden. Was dazu führte, dass die nicht mehr vorhandenen Gebäude und Anlagen der Göler in der gedanklichen Versenkung verschwunden sind. Das einzige Gebäude vom „unteren Schloss“, an welches sich die Altbürger erinnern konnten, war der Ochsen mit seinen Mietern, die Ochsenmauer, die Kegelbahn und die betrieblich genutzten Gebäude. Dass aber der Ochsen 1882 auf dem abgebrannten „unteren Schloss“ erbaut wurde, war auch fast niemand bekannt. Diese Unwissenheit muss ebenfalls auf die oben erwähnte Abneigungs-Theorie bezogen werden. Die vorliegenden Ergebnisse befassen sich mit den Eigentümern, den Bewohnern, den Pächtern und den Käufern vom gesamten „unteren Schloss"-Areal – dargestellt in der zeitlichen Abfolge.
In der Hoffnung, dass mit dieser Forschungsarbeit das „untere Schloss“ aus seiner Vergessenheit entrissen wurde.

Manfred Himmel,
Heimatforscher und Mitglied der Sulzfelder Heimatfreunde

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